CHRONIK DER "HÜTTENGEMEINSCHAFT AM GÖTZENBERG"

Von der „Hütte“ zum „Berghaus“

Gründung des „Hüttenvereins Hercynia e.V.“
1. Vorsitzender Thomas Völker
2. Vorsitzender Karl Kistner

Kauf des Anwesens am Götzenberg; Kaufpreis 23.000,– RM für Grundstück und Inventar

Einweihung der „Hercynenhütte“ durch den aktiven Senior Karl Boskamp

Neuwahl:
1. Vorsitzender Thomas Völker
2. Vorsitzender Karl Laub

Umbenennung des Vereins in „Hüttengemeinschaft am Götzenberg“; Grund war das befürchtete Vorgehen gegen katholische Verbindungen
Neufassung der Satzung:
1. Vorsitzender Thomas Völker
2. Vorsitzender Dr. Erich Schlieper

Eintragung der „Hüttengemeinschaft am Götzenberg“ in das Vereinsregister nach Genehmigung durch die Behörden

Sicherstellung des Vereinsvermögens und der Hütte durch die Gestapo (gleichzeitig mit der Beschlagnahme des Hercynenhauses in Freiburg)

Einspruch gegen die Beschlagnahme durch Prof. Völker bei der Gestapo – Leitstelle Karlsruhe

Antrag der Gestapo auf Bestellung eines Liquidators

Einspruch durch Bbr. Dr. Hermann Kopf gegen die Bestellung eines Liqidators

Bestellung von Dr. Armbruster zum Liquidator

Verkauf des Anwesens durch den Liquidator an Dr. Kaiser; Kaufpreis 14.000,– RM

Verkauf von 2/3 des um das Altherrenhaus gelegenen Grundstücks mit dem Haus durch Dr. Kaiser an seinen Schwager Alfred Hess

Wiederbegründung der Hüttengemeinschaft am Götzenberg nach Genehmigung durch die französische Militärverwaltung

Neuwahl:
1. Vorsitzender Alfons Schwörer
2. Vorsitzender Dr. Hermann Kopf

Verhandlungen mit den neuen Eigentümern über Rückübertragung und Geltendmachung von Ersatzansprüchen

Übertragung der Verwaltung der „Hütte“ an Bbr. Dr. Fritz Hauser durch das Badische Landesamt für kontrollierte Vermögen in Freiburg

Erhebung der Restitutionsklage vor der Restitutionskammer des badischen Landgerichts in Freiburg gegen Dr. Kaiser u.a. auf Rückgabe des Grundstücks am Götzenberg (Prozessbevollmächtigter Bbr. Dr. Hermann Kopf)

Teilurteil der Restitutionskammer des badischen Landgerichts auf Rückübertragung des Grundstücks

Endgültiges Urteil des Obergerichts für Restitutionssachen der französischen Zone in Rastatt auf Rückübertragung

Beschluss der „Hüttenkommission“
– Beschränkung des Hüttenbetriebes auf ein Haus
– Verkauf des „Altherren-Häusles“ mit dazugehöriger Fläche von 6.220 qm (Genehmigung der Mitgliederversammlung soll nachgeholt werden)

CC und Mitgliederversammlung in Köln:
Bestätigung der Beschlüsse der Hüttenkommission; aber zunächst Aufnahme eines zinslosen Darlehens der Bundesbrüder über 30000,– DM für 2 Jahre zwecks Renovierung und Erhalt des Anwesens

Resolution der Freiburger Hercynen zur Hüttenfrage:
– Grundsätzliche Zustimmung zur Darlehensaktion
– Aber: Vorschlag: Verkauf des gesamten Anwesens und Kauf eines kleinen Landhauses („Chalet“)

Renovierungsmaßnahmen

Einweihung des „Berghauses“

Neuwahl:
1. Vorsitzender Dr. Bruno Freitag
2. Vorsitzender Dr. Erich Krieg

ÜBER DAS HERCYNEN BERGHAUS

Tradition im Herzen des Schwarzwaldes: Das Hercynen Berghaus befindet sich seit 85 Jahren in Verbindungsbesitz. Der ehemalige Schwarzwaldbauernhof lädt mit der Gastlichkeit der Pächter und individuell gestalteten Zimmern ein. Immer wieder wurde renoviert, um den Gästen einen gehobenen Standard zu bieten.

90 Jahre Hercynen-Berghaus

vor rund 90 Jahren, am 24.07.1927 feiert eine große Hercynen-Festgemeinde erstmalig in ihrem neuen Berghausdomizil im Schwarzwald ihr 54. Stiftungsfest. 

Der Weg bis dahin war lang. Unser Bbr. Thomas Völker aus Freiburg, RJ. 1905, hat die Vorgeschichte vom Erwerb bis zur Besitzübernahme des Berghauses 1927 anschaulich im Berghausgästebuch festgehalten. „Ein kriegshartes Geschlecht war 1918 aus den Schützengräben heimgekehrt“ schreibt Thomas. „Das Erleben des Krieges brachte stärkeres Streben nach Verinnerlichung, nach Anpassung an die Not der Zeit. Die Natur, der schöne Schwarzwald sollte alte Wunden heilen.“

Der starke Wunsch nach einer eigenen Hütte kam aus der Aktivitas. Im WS 1919/20 füllte erstmalig Bbr. Hinko Dorneich als xxxx eine eigene „Hüttenkasse“. Eine Reihe Freiburger Korporationen konnten sich in dieser Zeit schon über meist angemietete Schwarzwaldhütten freuen. Hercynia war bisher immer leer ausgegangen. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 fanden nur 14 Füchse den Weg zu Hercynia, 52 Bbr. waren gefallen, 10% der Verbindungsmitglieder. Die tragende Basis der Verbindung wurde schwierig. Ein „Hercynennotopfer“ sollte den Besitz des Hauses an der Mercystraße retten. Noch stärker begann ab 1921 die Inflation alle finanziellen Grundlagen der Verbindung zu erodieren.

Endlich konnte 1921 in einem Nebenhaus des Gasthauses „Grüner Baum“ in Muggenbrunn für einen Winter eine Etage angemietet und zum ersten Hüttenfest am 4.12.1921 die Hercynenfahne aufgezogen werden. Die Entfernung von Freiburg aus wurde noch im Maße „Fußweg“ angegeben, hier
4 ½ Stunden. Für den Sommer wollte der Wirt zu viel Miete. Schränke und anderes Mobiliar lagerte aber weiter in Muggenbrunn.

Vom Titisee ...

Am 2.11.1925 zeigte Hercynia Mut. Die Depression nach der Hochinflation 1923 wich langsam einem neuen Hunger nach Leben. Optimismus lag in der Luft. Erstmalig schloss ein eigens gegründeter „Hercynenhausverein e.V.“ einen notariellen Kaufvertrag zum Erwerb eines Grundstücks, und dann gleich für 8000 RM rund 2000 m2 am Westufer des Titisees. Bbr. Julius Dorneich erwarb das Nebengrundstück und half bei der Herrichtung des „Hercynenstrandbades“. 

Er ermöglichte auch den Kauf eines kleinen Segel-
bootes vom Jachtclub Überlingen, der Kapitänsgig des ehemaligen Schlachtkreuzers „Scharnhorst“. Die jungen Bbr.Bbr. müssen sich auf der Gig wie Badewannenkapitäne auf dem Meer vorgekommen sein. Stolz grüßte zum 52. Stiftungsfest im Sommer 1926 die Hercynenfahne am Titisee. Hercynia hatte hochfliegende Pläne. Ein Gästehaus für die alten Herren sollte gebaut werden. Die Bestandsaufnahme der „mittelfristigen Finanzplanung“ – würden wir heute sagen – desillusionierte jedoch. An Baumaßnahmen war für die nächsten Jahre nicht zu denken.

Da brachte im April 1927 Bbr. Dr. Hauser aus Freiburg (RJ 1920) die Nachricht, dass im Bärental ein Anwesen mit 2 Häusern zu haben sei. Um den Kauf entspann sich ein Wettrennen mit einem Skiclub aus Freiburg. Hercynia hatte schließlich die Nase vorne. Unter finanzkundiger Hilfe des Freiburger Sparkassendirektors Bbr. Ferdinand Kölble wurde am 30.05.1927 der notarielle Kaufvertrag für 22.000 RM unterzeichnet. Die Bbr.Bbr. J.Dorneich, Frese und Völker gaben mit ihrem begeisterten Votum aus ihrer ersten Besichtigung nur wenige Tage vorher den Ausschlag. Der „Hüttenwart“ der Aktivitas, Gerhard Allmaras hatte verschlafen. 2 Häuser hätte Hercynia für diesen Preis nie neu bauen können, auch wenn die Bausubstanz der Häuser schon von 1701 sein sollte. Auch der AHx Kistner stimmte freudig zu.  Die Aktivitas wollte übrigens lieber ihr Badedomizil am Titisee behalten und stimmte auf dem BC gegen den Kauf. 

Trotzdem legten sich die jungen Bundesbrüder mächtig ins Zeug. In nur 10 Wochen richteten sie unter Leitung und aktiver Mithilfe von AH Völker beide Häuser für ihre angedachte Bestimmung ein: Ein Haus zum Feiern und für die Aktiven, ein „ruhigeres Altherrenhaus“.

 Natürlich war die Einrichtung zunächst schlicht und nicht mit dem heutigen Hotelkomfort zu vergleichen. Aber viele herrliche Zeichnungen in den Gästebüchern geben bis heute ein lebendiges Abbild von Lebensfreude, aber auch Besinnlichkeit auf dem Berghaus.

... ins Bärental

Das Hercynenberghaus überlebte auch die Nazidiktatur. 1935 wurde eigens die „Hüttengemeinschaft Götzenberg E.V.“ geschaffen und das Berghaus so dem Zugriff der Nazis auf Verbindungsvermögen entzogen. Offiziell durfte nur bis Kriegsende im Mai 1945 das Wort „Hercynia“ nicht mehr, auch nicht mehr im Gästebuch des Berghauses in den Mund genommen werden. Hercynen nutzten das auch während des ganzen Krieges durchgehend bewirtschaftete Berghaus als sicheres Refugium für Entspannung und sicher auch gedanklichen Austausch. Wie ein Erlösungsschrei liest sich im Gästebuch Ende Mai 1945 ein groß geschriebenes: wieder Hercynen !!!, mit 3 Ausrufungszeichen.

Das Berghaus verdankt seine Weiterentwicklung nach dem Krieg bis heute dem unermüdlichen, ehrenamtlichen Einsatz vieler Bbr.Bbr. und deren Frauen, nicht zu vergessen großartigen Pächterehepaaren. Die Zimmer wurden renoviert, Bäder eingebaut, ein Seminarraum geschaffen. Stellvertretend für die vielfältige auch finanzielle Unterstützung muss hier der langjährige AHx Bruno Freitag aus Düsseldorf mit seiner Stiftung zu Gunsten des Berghauses genannt werden. Das Ambiente des Berghauses wird noch heute von der Handschrift von Bruno Freitags Frau Lu geprägt.

Wünschen wir uns weiter für die nächsten 10 Jahre die liebvolle Betreuung durch unser jetziges großartiges Pächterpaar Kinder und die mühselige und sorgsame Bearbeitung aller Organisatorischen Aufgaben durch Bbr. Wolfram Ziegelmeier und seine Frau Sabine. Bis zum „Hundertsten“!.

Stephan Frühauf